WAS HABEN DSDS UND POSITIVE KOMMUNIKATION GEMEINSAM

So kennen wir DSDS, seit der ersten Ausstrahlung beim Sender RTL am 09. November 2002: Angehende, vermeintliche Superstars geben ihr gesangliches Bestes und werden nach mehreren Runden eventuell zu Deutschlands Superstar erkoren.
Die Sendung lebte dabei vor allen Dingen von den rüden und nicht selten beleidigenden Jury-Aussagen. Ganz vorne dabei im „Talente-Bashing“: #Dieter Bohlen.
Er war, das muss man ihm definitiv zugestehen, das Gesicht von DSDS in Deutschland und hat die Sendung zu dem gemacht, was sie war und hat sie zum Erfolg geführt.

Worte, die verletzten

Den Preis dafür haben nicht wenige „Jungtalente“ bezahlt, die sich vor laufenden Kameras und einem Millionenpublikum häufig beleidigen oder herabwürdigen lassen mussten.
Dieter Bohlen ist und war bekannt für seine Sprüche und seine Fähigkeit, anderen Menschen die eigene Meinung unverhohlen und direkt ins Gesicht zu sagen.
Doch diese Sprüche und Meinungen gingen häufig unter die Gürtellinie – sehr zur Freude des Publikums und nahezu immer zu Lasten des „Opfers“.

  • „Schnucki, das sieht aus wie Geburtsvorbereitung. Dein Vocal-Coach verarscht dich. Kacke! Hau ihm auf die Fresse!“
  • „Ich könnte dich in meinem Garten vergraben, als Kompost für die Blumen.“
  • „Wenn ich mir morgens einen Pickel ausdrücke, dann hat das mehr Power als deine Stimme.“
  • „Kann ich das irgendwie noch verhindern, dass du Musiklehrer wirst?“
  • Das ist Darmverschluss – und das ist scheiße.“

Dies ist nur ein Auszug von Bohlens „Best of DSDS-Zitate“, die manchmal dazu führten, dass Teilnehmer*innen auch noch während der Sendung zusammenbrachen.
Klar – wer mag es schon, wenn sich öffentlich über die eigene Person lustig gemacht wird?

Dinge ändern sich

Doch auf einmal war alles anders: Henning Tewes, geboren 1972 in Mühlheim an der Ruhr, wurde am 01.03.2021 zum neuen Geschäftsführer RTL Deutschland.

Seine Ansage ist klar: „Wir machen Programm aus einem positiven Menschenbild heraus“.

Der neue Chef möchte eine „familienfreundlichere Entwicklung einschlagen“. Und ergänzt: „Bei allen gesellschaftlichen Spaltungstendenzen registrieren wir einen zunehmenden Wunsch nach Gemeinschaft und Nähe.“
Klar – dieses Konzept lässt sich mit einem „…Revoluzzer, der immer ein bisschen auf die Kacke haut…“ (O-Ton Dieter Bohlen) eben nicht unter einen Hut bringen.

Somit waren die letzten Stunden von Bohlen gezählt. Der Sender versprach ein gänzlich neues Format mit einem gänzlich neuen Image.
Während der letzten 18 Jahre DSDS nahmen die Einschaltquoten von DSDS auf hohem Niveau kontinuierlich ab. Zeitgleich wuchs die Macht von YouTube und SocialMedia-Portalen an.
Der Trend zu „Hate-Speech“ im Netz nahm gefühlt im umgekehrten Verhältnis zu den DSDS Einschaltquoten zu. Cyber-Mobbing, Diskriminierung von Minderheiten, Randgruppen-Bashing – alles Phänomene unserer Zeit, denen Tewes durch die Neuausrichtung von RTL und dessen Sendungen entgegenwirken möchte.
Ganz allgemein sieht Tewes eine Aufgabe des Fernsehens darin, ein Gegengewicht zum aggressiven Ton und Verhalten in den sozialen Netzwerken zu bieten: „Wie würde Fernsehen denn wirken, wenn es noch rauer, noch aggressiver wäre als das, was wir täglich im Netz erleben können?“
Und so kündigt Tewes eine neue Jury für DSDS an:

  • Ilse DeLange (44), niederländische Country- und Pop-Ikone, die unter anderem sechs Nummer-eins-Alben in den Niederlanden hatte und ihr Land zweimal bei dem Eurovision Songcontest vertrat.
  • Neben ihr agiert charmant und positiv als weiterer Juror Musikproduzent Toby Gad (53), der unter anderen Songs von Beyoncé (If I Were a Boy), Madonna, Brandy, Natasha Bedingfield, Mandy Capristo, Shakira, Nick Carter, Donna Summer und Selena Gomez produzierte.
  • „Head of Jury“ – also der „Dieter-Ersatz“ wird gestellt durch Florian Silbereisen (40).

Ja – der Florian Silbereisen. Bekannt als „Traumschiff-Kapitän“, Schlagerstar und Mega-Showmaster. Nun auch Juror bei DSDS.
Was haben alle drei gemeinsam? Neben der rein beruflichen Tatsache, dass sie insgesamt alle erfolgreich sind, verbindet sie vor allen Dingen ihre positive und freundschaftliche Ausstrahlung.
Und so ist es nicht verwunderlich, dass es bisher noch keine DSDS Folge in 2022 gab,
in der Kandidaten/Kandidatinnen verhöhnt oder erniedrigt wurden.
Ganz im Gegenteil: Wirklich jeder Kandidat und jede Kandidatin erhält ein positives und wohlwollendes Feedback. Statt einem „„Das war ganz schön scheiße. Deine Freunde sagen ja, dass sie möchten, dass du das gewinnst. An deiner Stelle würde ich mir deine Freunde noch mal genau angucken.“ sind nämlich Formulierungen wie „Du bist ein ganz wunderbarer Typ, nur in diesem Jahr wird es noch nichts für Dich bei DSDS, dennoch Danke, dass Du da warst.“ genau so deutlich – nur eben nicht so verletzend.
Und das neue Konzept wirkt: wenn man sich die Sendung anschaut, spürt man die Harmonie der Jury untereinander. Das Miteinander von Kandidaten/Kandidatinnen und Jury steht im Vordergrund. Es wirkt irgendwie Alles wie eine große Familie.

Da spielt auf einmal Ilse DeLange auf ihrer Gitarre mit den Kandidaten/Kandidatinnen, wenn sie unsicher werden. Toby Gad setzt sich ans Klavier für Menschen, die gerade den Takt nicht halten können und alle drei tanzen zusammen mit Kandidaten/Kandidatinnen, machen Yoga oder meditieren mit ihnen, wenn diese sie dazu einladen.
Und wenn die Sendung dann vorbei ist, hat man das wohlige Gefühl: „Das war aber schön“.
Ein Fernsehabend ohne Aggressionen, eine Sendung, die auskommt ohne Minderheiten zu diskriminieren, ein Erlebnis, bei dem sich nicht öffentlich über andere lustig gemacht wurde.

Atmosphäre wie auf dem „Traumschiff“ – eben eine heile Welt.

Aber: was wäre, wenn es gar nicht um die „heile Welt“ geht? Sondern wenn man erkannt hat, dass die Welt eine bessere wird, wenn man im eigenen Kreise anfängt zu wirken? Wenn man sich vornimmt, andere Menschen zu verstehen und sie nicht zu diskriminieren oder zu diskreditieren?
Wenn man beginnt, vor der „eigenen Haustür zu fegen“? Wenn man anfängt, die eigenen Worte und das eigene Verhalten kritisch zu betrachten und es zu optimieren?

Wäre das nicht genau das, was diese Welt momentan braucht?

Doch wie geht das und wie fängt man damit an? Nun, sowohl die Wahl der eigenen Worte, die Betonung derselben als auch das eigene Verhalten werden bestimmt durch die eigene Einstellung.
Und ohne die Einsicht, Dinge wirklich verändern zu wollen, gibt es bestimmt keinen Leidensdruck, der diese Verhaltensänderung herbeiführen würde.
Was war der Leidensdruck bei RTL? Was führte zu der Absichtsänderung? Waren es die rückläufigen Einschaltquoten?
Oder waren es die Erkenntnisse, Ansichten und Einstellungen eines Mannes, der nach seinem Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Volkswirtschaft an der Universität Oxford und der Promotion an der Universität Birmingham einfach erkannt hat, dass es viel schöner ist, wenn Menschen MITEINANDER statt GEGENEINANDER leben?
Meine persönliche Hoffnung ist letzteres. Und ohne, dass ich Herrn Tewes persönlich kenne, so zeigen doch die Bilder von ihm im Netz und ein Blick in seine Augen, dass es eventuell so sein könnte.
In diesem Sinne: einen fabelhaften Wünsche ich Euch / Ihnen und empfehle: schaut doch mal rein im neuen „DSDS“.

Herzliche Grüße, Ihr Dirk Bäcker

PS: Wer sich weiterführend mit dem Thema „Positive Kommunikation“ und „Einstellungsänderung“ beschäftigen möchte, der findet übrigens bei uns im Shop interessante Artikel dazu. Ich empfehle den Kurs „Dein Kommunikationskurs für positive Effizienz im täglichen Miteinander“.

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