SCHÖNE, NEUE WELT IM HOMEOFFICE

Die Arbeitsfolgen der Pandemie

Fluch oder Segen

Ein Erfahrungsbericht mit Ansichten und Tipps für die Gestaltung einer neuen Arbeitskultur

Pro Jahr waren es circa 15o Seminare, Coachings oder Sales-Tage. Manchmal einen Tag, manchmal zwei und gelegentlich auch drei Tage. Unterwegs beim Kunden. Als Coach, Trainer, Mentor oder Berater.

Die Freiheiten, die wir als Sales-Experte, Trainer oder Coaches genossen, waren immens.
Und es bereitete uns stets viel Freude unterwegs zu sein, und sich mit Kunden persönlich, von Angesicht zu Angesicht auszutauschen.

Und dann kam die abgesagte ITB 2020 und alles war anders. Schlag auf Schlag und von 100 auf fast null befand sich ein Großteil unseres Teams in Kurzarbeit.

Nun, auch unseren Kunden

Vornehmlich Hotels aller Kategorien und Größen aber auch artverwandte Dienstleistungsunternehmen ging es ähnlich.

Die Auftragslage in der Dienstleistungsbranche, in der der persönliche Kontakt von Menschen im Vordergrund steht, stand in weiten Teilen lahm.

Und zeitgleich entstand eine Homeoffice-Kultur, die den heiligen Grahl des flexiblen Arbeitens versprach. Nur zu süß sind die Früchte dieser Form des Arbeitens. Denn der Arbeitnehmer lebt auf einmal dort, wo er arbeitet. Er ist somit nahezu rund um die Uhr am Arbeitsplatz und vermeintlich permanent abrufbereit. Dabei scheiterte eine hohe Mehrheit an Menschen bereits daran, dass sie sich nicht sicher waren, was sie im Homeoffice-Zoom-Meeting am besten anziehen sollten.

Waren im Büro noch Anzug und Krawatte obligatorisch, erschienen bereits erste Abteilungsleiter und Mitarbeiter im Kapuzenpulli und Jogginghose. Letzteres erschien nie als großes Hindernis, denn die klassische PC-Kamera greift ohnehin nur den Ausschnitt bis zum Oberkörper-Rumpf-Übergang ab.

Was – so fragen sich verantwortliche Führungskräfte – können wir nicht alles erreichen durch eine neue Homeoffice-Struktur: Flexibler Arbeiten, geringere Büroflächen-Kosten, höhere Effektivität, schnellere Erreichbarkeit.

Doch die Frage lautet: sind das eventuell nur Trugschlüsse oder bereits der Weisheit letzter Schluss. Können wir uns in Deutschland und weltweit jetzt bereits darauf einstellen, dass das klassische Büro ausgedient hat und wir vermehrt „remote“ im Homeoffice tätig sein werden?

Eine Ausgabe des „Human Resources Manager“ beschäftigte sich unter anderem mit dieser interessanten Fragestellung und Julia Ganser sowie Ewald Scherm haben einen interessanten Artikel dazu verfasst.

Tatsächlich gingen wir in der Geschäftsführung der Qausal GmbH davon aus, dass sich unser Team doch nun sichtbar wohl fühlen müsste. Sind sie nicht mehr so viel unterwegs und können sich doch virtuell austauschen. Brauchen nicht mehr ins Büro fahren und haben ihren „Lieblingsplatz“ zu Hause als Ort der gemeinsamen Kundenakquise und Projektarbeit zu nutzen.

Doch bereits sehr rasch stellen sich die Fragen der Umsetzbarkeit. Denn nicht jeder – und ich komme wieder zur allgemeinen Beschreibung der Situation – ist sozial so gut aufgestellt, dass ihm die vermeintliche Freiheit auch wirklich als Freiheit vorkommt. Für den einen oder anderen bedeutet Homeoffice tatsächlich einfach nur Vereinsamung. Und daran ändert auch der wöchentliche Zoom-Call nichts. Ist er zwar ein Mittel, um sich auszutauschen, so ignoriert dieses Medium dennoch das soziale Bedürfnis nach Nähe und persönlichem Kontakt. Menschen haben nun mal feine Sensoren, die ein digitales Meeting nicht liefern kann.

Darüber hinaus fragen sich sehr wahrscheinlich viele Datenschutzbeauftrage, wie das mühsam im Mai 2018 verabschiedete DSGVO-Konstrukt mit Absicherung von Geschäftsgeheimnissen und Kundendaten zwischen Küchentisch, Wohnzimmer und Arbeitsecke effektiv umgesetzt werden kann.

Und auch das Gefühl der Glückseligkeit des vermeintlich frisch gewonnenen Freiraums darf kritisch hinterfragt werden – vor allen Dingen dann, wenn Menschen erst kurz zuvor eingestellt wurden und noch kein eigenes Netzwerk im Unternehmen aufbauen konnten. Hier fehlen also die Kantinen- und Pausen-Gespräche, in denen wir eines so wunderbar konnten: Mensch sein, einfach nur Mensch sein. Und sich in Teams integrieren und auch mal die Kollegen besser kennenlernen.

Kein Geheimnis mehr dürfte die Tatsache sein, dass zu einem ordentlichen Onboarding-Prozess neuer Mitarbeiter auch ein strukturierter Einarbeitungsplan gehört. Hierzu gehört ja neben der Vermittlung der fachlichen Skills und Kenntnisse auch das Kennenlernen der Schlüssel-Personen im Unternehmen ebenso wie das Kennenlernen anderer Bereiche und auch das Vermitteln von Werten, Traditionen, der Unternehmenskultur sowie der Verhaltensnormen.

Und in dem Moment, in dem Sie diese Punkte lesen, sollte jedem klar sein, dass diese Punkte nur zu schwer im digitalen Raum umsetzbar oder zumindest „erlebbar“ sein können. Sicherlich ist es möglich, dies rein faktisch umzusetzen – doch es bleibt ein Konstrukt der Retorte. Künstlich, kalt und ohne Leidenschaft. Und genau hier stehen die Werte und Motivatoren der nachfolgenden Generationen konträr: geht es nicht vor allen Dingen um sozialen Austausch, Werte, Zusammenhalt, Gemeinsamkeiten? Dies alles gepaart mit der zunehmenden Veränderung von Kommunikationskulturen führt doch rasch zu dem Schluss, dass hier noch erheblicher Nachholbedarf ist, damit dieses Konstrukt auch künftig Früchte trägt.

Auch die Führung von Teams und Mitarbeitern bedarf einer genaueren Betrachtung. Eines ist ohnehin klar: Wenn eine Führungskraft vor dem Zeitalter „Homeoffice“ nicht führen konnte, dann wird es durch die aktuelle Lage definitiv nicht besser. Der einzige Vorteil ist: durch die Führung von Teams im Homeoffice erhält die Führungskraft ein wesentlich deutlicheres Spiegelbild von den eigenen Führungs(un)fähigkeiten als zuvor. Denn zu einer eventuell nicht vorhandenen, und klar strukturierten Führungsqualität, die sich im besten Falle an eine Vision, eine Mission und an einem Unternehmensleitbild messen lässt und die klare Regeln und Parameter besitzt, kommt nun erschwerend hinzu, dass der Austausch mit den Teams auf eine „Desktop-Linse“ als Kamera und ein Headset als Sprachinstrument reduziert wird. Wobei wir wissen, dass Körpersprache und Intonation eine wesentlich höhere Wichtigkeit in der Kommunikation mit sich bringen als das reine, gesprochene Wort. Und dann hilft es auch nicht, wenn die Führungskraft spontan zu virtuellem Kaffeetrinken aufruft. Selbst wenn es Unternehmen und Führungskräfte gibt, die sich auf diesem Gebiet bereits sehr gut verhalten und professionell agieren, so fehlt doch sicherlich einer Vielzahl an Führungspersonen das reine Wissen darum, wie es dem Team tatsächlich geht

Und ich behaupte: sie werden es auch nicht erfahren.

Laut den aktuellen Ergebnissen des Gallup-Instituts sind aktuell noch immer mehr als 85% aller Arbeitnehmer nur schwach bis gar nicht emotional an ihr Unternehmen gebunden. Und eine Vielzahl dieser Menschen begründet diese Unzufriedenheit damit, dass sie mit der Führungskraft an sich nicht zufrieden sind.
Schöne, neue Welt des Homeoffices – du wirst noch Zeit brauchen um zur vollen Blüte zu reifen.

Doch ist selbst bei Einhaltung aller Maßnahmen, die zu einem optimalen Arbeiten von zu Hause beitragen, tatsächlich die Zukunft des Arbeitens im dezentralen Arbeiten durch Homeoffice-Kultur?

Ohne geeignete Instrumente, wie zum Beispiel ein Potenzial-Messverfahren, sicherlich nicht. Und so planen wir von Qausal – Quality Performance Partners die Zukunft des eigenen Unternehmens:

In einer hybriden Version. Und in dieser hybriden Version gibt es ein „Mutter-Büro“. Dieses Mutterbüro dient dazu, um die wichtigsten Entscheidungen gemeinsam in einem engen Kreis von ca. 10 Personen zu definieren. Die Struktur der Mitarbeiter wird dezentral in Homeoffice-Varianten sein. Doch die Mitarbeiter haben grundsätzlich die Wahl, denn nicht jeder möchte gerne allein zu Hause sein. Und je nach Bedarf werden flexibel Büroflächen hinzugemietet, wenn aktuell der Bedarf besteht. Um ein Stimmungsbild über das Team zu bekommen, gibt es klare Abstimmungsplattformen – digital und analog und ein regelmäßiges Potenzial-Mess-Verfahren, um zu erkennen, wie es dem Team wirklich geht. Das geht online und liefert rasche Erkenntnisse.

Sind Sie aktuell auch dabei, die Zukunft Ihres Unternehmens aktiv zu gestalten. Und möchten Sie sich gerne darüber austauschen, welche Aspekte zu bedenken sind, um den Anforderungen der modernen Arbeitswelt gerecht zu werden?

Dann lassen Sie uns zusammen sprechen und gemeinsam Ideen finden.

Wir – als Spezialisten in der Personal- und Umsatzentwicklung sind gerne für Sie da.

Herzlich: Ihr Dirk Rögner-Bäcker

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